1911 - 1936

 

Die ersten 25 Jahre der Sportvereinigung Aurich

Nur wenige Jahre nach Gründung der Sportvereinigung Aurich kam der 1. Weltkrieg, der nicht spurlos an der noch jungen Sportvereinigung vorbeiging. Für viele Männer gab es einen schmerzlichen Abschied aus der Kameradschaft des Sports. Manch Auricher Fußballer sollte seine Heimat und den grünen Rasen des Ellernfeldes nicht wiedersehen. Während der Kriegsjahre 1914 - 1918 kam der Sportbetrieb fast ganz zum Erliegen. 

 

Erst im Jahre 1919, nachdem die Kriegswirren vorüber waren, kam auch wieder neues Leben in den Auricher Fußballsport. Wieder war es Heinrich Speckmann, der mit weiteren Sportbegeisterten die Fußballer um sich versammelte und die Sportvereinigung neu aufleben ließ. Die Mitgliederzahlen stiegen stark an. Auch deshalb, weil die Heimkehrenden das Fußballspielen bei den Soldaten kennen gelernt und viel Freude daran gefunden hatten. Die erneut junge Fußballgemeinschaft fand auch viel Zulauf von den auswärtigen in Aurich gebliebenen Soldaten. Weil die Seminaristen (Germania) und die Gymnasiasten (Vorwärts) auf Weiterführung ihrer Vereine teilweise verzichteten, kamen auch deren gute Fußballspieler zur Sportvereinigung. Somit verfügte der Verein bald über mehrere Herrenmannschaften. Allmählich kristallisierte sich ein Spielerstamm heraus, der die damals spielerisch gefürchtete erste Elf des Vereins bildete.

Aufgrund dieser neuen Bewegung strömten die Zuschauer an den Wochenenden scharenweise zu den Spielen zum Ellernfeld. Die erste Herrenmannschaft schickte oft ihre Gegner aus Emden, Leer, Wilhelmshaven und Oldenburg mit deutlichen Niederlagen nach Hause.

Die Auricher spielten dabei in weinroten Jersey und mit weißer Hose. 

 

Ostfriesischer Fußballmeister 1922, 1923 und 1924

Im Jahr 1921 erfolgte der Anschluss an den Norddeutschen Fußballverband, was Vorteile auch im wirtschaftlichen Bereich für den Verein brachte. Sportlich hatte die Herrenmannschaft der Sportvereinigung Aurich in dieser Zeit große Erfolge zu verzeichnen. Sie wurde in den Jahren 1922, 1923 und 1924 erster ostfriesischer Fußballmeister. Leider gingen die folgenden Aufstiegsspiele zur Nord-Westliga verloren, und der Aufstieg in diese Liga blieb der Mannschaft verwehrt. Trotzdem war Aurich in den folgenden Jahren immer in der A-Klasse der ostfriesischen Fußballvereine vertreten. Die Erfolge der ersten Elf wirkten sich positiv auf die Auricher Jugend aus, so dass die Sportvereinigung bald über die größte und führendste Jugendabteilung Ostfrieslands verfügte. 

Erster Ostfriesischer Fußballmeister 1922 - 1924

v.l.n.r.: Otto Bubeck, Otto Schröder, Wilhelm Wübbel, Heinrich Wilken, Fredy Ludwigs, Gerhard Buß, Christian Ahrenholz, Gustav Gramberg, Mannschaftsführer Heinz Borkenhagen, Bohle Focken und Otto Gramberg.

1926 wurde das groß aufgezogene Stiftungsfest gefeiert: "15 Jahre Sportvereinigung Aurich". Man konnte ohne Übertreibung eine stolze Bilanz ziehen. In dieser Zeit des großen Aufschwungs wurde der Sportbetrieb wesentlich erweitert. Die bereits bei Vereinsgründung angedachten Sportangebote im Bereich Damensport, Handball, Leichtathletik, Schwimmen, Hockey und Kegeln waren zwischenzeitlich gegründet worden. Diese Aufbauarbeit wurde besonders gekrönt durch die großen Sportfeste. 

 

Im Fußballbereich zogen sich die älteren Fußballer allerdings allmählich zurück, um den bereits erwähnten jungen Spielern Platz zu machen. Die aus den Jugendmannschaften hervorgegangenen Herrenspieler sollten die ruhmreiche Tradition der Sportvereinigung fortsetzen. Bereits 1927 stellten sich die ersten ordentlichen Ergebnisse ein. Am 18. April 1927 kam es am Ellernfeld zu einem "Gesellschaftsspiel" (so nannte man damals Freundschaftsspiele) zwischen der Sportvereinigung und dem SV Werder Bremen. Das Spiel endete nach einer begeisternden Partie 4:2 für die Gäste von der Weser. Für Aurich spielten in der 1. Mannschaft: Jakob Brunken, Hermann Hippen, Conny Lottmann, Gerhard Molter, Walter Mönkemeyer, Gerhard Flessner, Helmer Wienholtz, Hermann Molter, Bruno Frees, Otto Wittig und Friedrich Wittig. 

Im Spieljahr 1928/29 stellten sich weitere Erfolge ein. Die erste Mannschaft belegte in der ostfriesischen A-Klasse immerhin den vierten Platz. Die zweite Mannschaft belegte in der ostfriesischen B-Klasse den 1. Platz.

 

Ostfriesischer Fußballmeister 1930

Die erste Herrenmannschaft konnte in der Saison 1929/30 die Meisterschaft in der A-Klasse erringen, und erreichte die Ausscheidungsspiele zum Aufstieg in die Nord-Westliga. Dazu standen schwere Spiele gegen Frisia Wilhelmshaven und BSC Cloppenburg an. Alle vier Begegnungen der Hin- und Rückrunde wurden klar gewonnen, und man spielte ab der neuen Saison in der Nordwestliga Oldenburg, Wilhelmshaven und Ostfriesland, was lange Bestand haben sollte

 

Die Bilder zeigen die 1. Herrenmannschaften von 1926 - 1929

 

Nach dem Aufstieg in die Nordwestliga spielte die 1. Mannschaft der Sportvereinigung ab der Saison 1931/32 gegen Mannschaften aus dem Oldenburger Bereich, Wilhelmshaven und den beiden Teams aus Emden: Stern und SuS. Meister wurde der VFB Oldenburg. Die Sportvereinigung belegte als Aufsteiger einen guten Mittelfeldplatz. Ab dieser Zeit spielte die Sportvereinigung immerhin im Herrenbereich mit einer Ligamannschaft, einer Reservemannschaft sowie einer dritten und vierten Mannschaft. In der Jugend spielten drei Knaben-, zwei Schüler- und zwei Jugendmannschaften. 

 

Auf dem Foto der Mannschaft von 1932 v.l.n.r.: Fritz Köthe, Heinz Schlesinger, Hermann Hippen, Otto Müller, Willi Fleßner, Otto Wittig, Heinrich Berger, Bruno Kugelmann, Ferdinand Janssen, Fidi Wittig, Walter Mönkemeyer, Paul Wiene. Auf dem Bild fehlen: Jakob Brunken, Bruno Drees, Gerhard Hummrich, Gerd Molter, Hermann Molter, Theo Schöneboom, Ludwig Schmidt und Willi Lübberts.

Das Bild zeigt die Schülermannschaft von 1933. Von links nach rechts: Betreuer Heiko Terbeek, Bruno Kuhlmann, Fidi Ahrends, Hermann Peters, Willi Theesen, Oswald Motz, Heinz Korf, Wiard Janssen, Herbert Meyer, Heinz Haake und Hermann Saathoff.

 

Anfang der dreißiger Jahre wurde auf betreiben von Vereinswirt Fritz Oertel ein Klubheim auf dem Ellernfeld errichtet. Das Vereinslokal "zum goldenen Adler" in der Osterstraße, diente den Fußballern vor und nach den Spielen auch als Umkleidekabine. Diesen Umstand wollte er ändern. Mit Erfolg. Vor dem Ligaspiel gegen den VfB Oldenburg 1932 posierte die 1. Mannschaft vor dem fertigen Klubheim am Ellernfeld.

 

 

Der Nationalsozialismus warf damals schon seine Schatten voraus. Das Mehrfachvorkommen von Vereinen mit gleicher Zielsetzung sollte es nach dem Willen der NSDAP nicht mehr geben. Arbeitervereine wurden verboten oder mussten einen nationalsozialistischen Vorstand akzeptieren. Dieses alles bekamen die Vereine in Aurich wie im gesamten deutschen Reich unter dem Schlagwort "Gleichschaltung" zu spüren.

Zum 25 jährigen Bestehen des Vereins 1936, fand an einem Maisonntag ein Jubiläumssportfest statt. Ein Freundschaftsspiel gegen eine spielstarke überregionale Mannschaft durfte natürlich nicht fehlen. Am 10. Mai trat die Sportvereinigung gegen die Fliegerhorstgruppe Norderney an. Das Spiel konnte das Team vom Ellernfeld mit 3:2 gewinnen.